Die Eisenhower-Methode schadet der Delegation

Die sog. Eisenhower-Methode (vgl. Wikipedia) ist eine gute Methode, um den Unterschied zwischen wichtigen und dringenden Aufgaben zu verdeutlichen. Wenn die Unterscheidung nicht beachtet wird, besteht die große Gefahr, sich vor allem um die dringenden Dinge zu kümmern. Dabei können auch Dinge sein, die zwar dringend, aber kaum wichtig sind. Dadurch geht die Zeit für wichtige, aber eben nicht dringende Dinge verloren. Die Eisenhower-Methode verdeutlicht diese Unterscheidung sehr anschaulich. Mehr aber auch nicht. Sie ist absolut nicht als Zeitmanagement-Instrument nicht geeignet ist, wozu sie absolut nicht geeignet ist. Denn dabei wird versucht, etwas in ein Schema zu pressen, dass keinen Sinn macht.

Was mich persönlich immer aufregt, ist dabei der Umgang mit der Kategorie „Dringend aber nicht Wichtig“. Den versuchen einem die Gurus gerne als „zu Delegieren“ zu verkaufen. Unwichtige Aufgaben soll man demnach gar nicht machen. Das heißt aber, dass ich versuche unwichtige Aufgaben jemanden anderem aufs Auge zu drücken, während ich unwichtige und auch nicht dringende Aufgaben unter den Tisch fallen lassen soll?

Das Schlimme ist, es gibt Menschen, die diesen Rat befolgen!!

Und dann auch noch glauben, sie hätten sich und ihrem Mitarbeiter etwas gutes getan.

ERSTENS Wenn die Aufgabe keine Bedeutung hat, gehört sie in die Tonne, egal ob dringend oder nicht. Sie gehört aber keinesfalls jemandem anderen aufs Auge gedrückt und schon gar nicht unter dem Deckmantel der Delegation.

ZWEITENS ist Delegation ist ein Führungs- und kein Zeitspar-Instrument. Auch wenn ich mit guter Delegation langfristig Zeitsparen kann, sollte der Hauptzweck der Delegation sein, Mitarbeiter an ein Thema heranzuführen und auszubilden. Nur wenn ich mit diesem Zweck an Delegation herangehe – und daher auch bereit bin, am Anfang Zeit in das Thema zu investieren, kann es funktionieren.

DRITTENS nicht jede Übertragung von Aufgaben muss eine Delegation sein. Was im Rahmen von normalen Prozessen innerhalb oder außerhalb eines Unternehmens passiert, also die typische Auftraggeber/Auftragnehmer oder Lieferant/Kunde Beziehung ist ja eigentlich nichts anderes, hat aber auch gar nichts mit Delegation zu tun. Aber auch hier macht es keinen Sinn, jemanden zu beauftragen, wenn der Auftrag für mich selbst keinen Wert hat. Bei einem externen Auftragnehmer kann man diesen Auftrag häufig direkt mit Kosten hinterlegen und kann damit entscheiden, ob eine Auftrag es auch Wert ist. Bei internen Auftragnehmern oder Familienmitgliedern sind diese Kosten (leider) nicht so offensichtlich.

Fazit: Ja, die Unterscheidung zwischen nur-dringend und nur-wichtig ist essentiell. Den Rat, nur-dringende Aufgaben daher zu delegieren oder anderweitig zu beauftragen, sollte man aber möglichst schnell vergessen.

Bei Time Management Ninja gibt es übrigens einen Beitrag, Wichtiges von Dringendem zu unterscheiden, der ganz ohne die Eisenhower-Matrix auskommt: https://timemanagementninja.com/2016/06/5-ways-to-ensure-you-do-the-important-instead-of-the-urgent/